Pando

Notion-Alternative und DSGVO: neun KI-Anbieter bei Notion, keiner bei Pando

by Andreas Tissen ·

Notions eigene Liste der Auftragsverarbeiter nennt neun Firmen, die Sprachmodelle hosten. Pando hat keinen KI-Auftragsverarbeiter. Hier steht, was an diese Firmen geht, wo Notion trotzdem vorn liegt und wohin die Rechtsfrage gehört.

Wer eine Notion-Alternative mit Blick auf die DSGVO sucht, sollte zuerst Notions eigene Liste der Auftragsverarbeiter lesen. In der Fassung vom 21.09.2026 stehen dort neun Firmen, die für Notion Sprachmodelle hosten, darunter Anthropic, OpenAI und Google. Bei Pando sind es null. In Pandos Code steht kein Aufruf einer Modell-API, bei keinem Anbieter, und ich habe heute noch einmal danach gesucht.

Der zweite Punkt ist der Preis. Pandos AGB sagen dazu: »Alle angegebenen Preise sind Endpreise. Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet und in Rechnungen nicht ausgewiesen.« Die Basisversion ist dort als unentgeltlich beschrieben, und zu bezahlen gibt es heute nichts: Pando Pro ist laut Startseite noch nicht käuflich.

Ich baue Pando, lesen Sie das hier also als Text einer Partei. Über Notion stehen unten nur Sätze aus Notions eigenen Seiten, gelesen am 23.09.2026, mit den Adressen am Ende. Über Pando steht hier nur, was Pandos Datenschutzerklärung, AGB, Impressum, Startseite und Vertrauensseite schon sagen, und was ich im Code nachgesehen habe. Ob ein Werkzeug für Ihre Verarbeitung rechtlich passt, beurteile ich nicht. Was Pando verarbeitet, wofür und auf welcher Grundlage, steht in der Datenschutzerklärung.

Auf einen Blick

NotionPando
Auftragsverarbeiter, die Sprachmodelle hosten9, laut Notions Liste vom 21.09.2026keiner; im Code kein Aufruf einer Modell-API
Speicherort EU wählbarim Enterprise-Tarif auf Antrag, Region Frankfurt; sonst USAnein, »not EU-hosted«, sagt die Vertrauensseite
Training mit Ihren Inhaltenstandardmäßig nicht, sagt Notionnicht, sagt die Datenschutzerklärung
Exportder Workspace als HTML oder Markdown, Datenbanken als CSV, Seiten auch als PDFjeder Zweig als Markdown, OPML, HTML oder TSV, das ganze Konto in einer Datei
Löschender Workspace sofort gesperrt, nach 30 Tagen von Notions Servern entferntdas Konto sofort gelöscht, aus Caches und Wiederherstellungsverlauf binnen 30 Tagen
Umsatzsteuer im genannten Preisauf der Preisseite nicht gesagt»Alle angegebenen Preise sind Endpreise«

Was Notion AI mit Ihren Seiten macht

Notions Liste der Auftragsverarbeiter hat 36 Einträge. Bei neun davon steht als Zweck unter anderem »hosting large language models and embeddings«: Anthropic, OpenAI, Google, Fireworks, Baseten, Modal, Cerebras, X.AI und Parallel Web Systems. Dazu kommen eine Vektordatenbank für Einbettungen, eine Websuche und ein Dienst, der für KI-Agenten Webseiten im Browser bedient. Notions Trust Center zeigt am 23.09.2026 eine kürzere Liste mit 32 Einträgen und ohne Datum. Ich halte mich an die Liste, die ein Datum trägt.

Was an diese Firmen geht, beschreibt Notions deutsche Hilfeseite zu Notion AI. Zwei Sätze daraus:

Wie lange die Modellanbieter das behalten, hängt vom Tarif ab. Im Enterprise-Tarif speichern sie laut derselben Seite standardmäßig nichts. Für alle anderen gilt: »Darüber hinaus speichern LLM-Anbieter für alle Workspaces außerhalb des Enterprise Plans Kundendaten standardmäßig nur für maximal 30 Tage, bevor sie gelöscht werden.« Einige Funktionen können laut Notion Modelle mit Datenspeicherung erfordern. Die bleiben aus, bis Administratoren sie in den Workspace-Einstellungen einschalten.

Notion AI gibt es laut Notions FAQ in den Tarifen Business und Enterprise. Free und Plus haben laut Preisseite ein »Probe-Abo der Notion-KI«.

Beim Training sagen beide dasselbe, und das gehört fairerweise dazu. Notion: »Standardmäßig verwenden Notion und seine KI-Auftragsverarbeiter keine Kundendaten, um Modelle zu trainieren.« Pandos Datenschutzerklärung: »Wir verwenden Ihre Inhalte nicht, um KI-Modelle zu trainieren, weder eigene noch fremde, und wir geben sie zu diesem Zweck nicht an Dritte weiter.«

Bei Pando fehlt das ganze Kapitel. Auf der Vertrauensseite steht: »There is no call to any model API anywhere in Pando's code. Not OpenAI, not Anthropic, not Google, not anybody. Pando has no AI sub-processor.« Ich habe am 23.09.2026 den Server, den MCP-Server, die Kommandozeile, das Plugin, den Web-Clipper und die App nach den Adressen und Bibliotheken der gängigen Modellanbieter durchsucht, dazu nach Cloudflares eigener KI-Anbindung. Es gab keinen Treffer.

Datenresidenz gibt es bei Notion im Enterprise-Tarif

Seit 2025 kann Notion Workspace-Daten in der EU speichern; so steht es in Notions Blog vom 09.04.2026. Die Hilfeseite zur Datenresidenz nennt die Bedingung: »Wenn du einen Enterprise Plan nutzt, kannst du die Verschiebung bestehender Workspace-Daten in die von dir gewählte Datenregion beantragen.« Ohne diesen Antrag gilt: »Standardmäßig verbleiben deine Daten weiterhin in den Vereinigten Staaten.« Die EU-Region ist Frankfurt, mit Irland als Backup-Region, betrieben bei Amazon Web Services.

Auch mit Datenresidenz liegt nicht alles in der Region. Dort liegen laut Notion der Seiteninhalt, hochgeladene Dateien, der Suchindex und gespeicherte Nachrichten und Dateien von Drittanbietern oder Bots. Kontoinformationen und Nutzungsdaten können außerhalb liegen. Dazu schreibt Notion ausdrücklich: »Die Verarbeitung von Kundendaten außerhalb der Datenregion kann Folgendes umfassen: Kundendaten, die von Notion-Unterauftragsverarbeitern verarbeitet werden, einschließlich LLM-Anbietern«. Notion Calendar, Notion Mail und alle Beta-Dienste fallen gar nicht darunter.

Für Übermittlungen in Länder außerhalb der EU stützt sich Notion laut seiner DSGVO-Hilfeseite auf die Standardvertragsklauseln.

Wo Pando läuft, ohne Beschönigung

Wer Server in der EU braucht, ist bei Pando falsch, und das sage ich lieber vorher. Die Vertrauensseite: »Pando is not EU-hosted and is not beyond the reach of the US CLOUD Act. It runs on Cloudflare, Inc. of San Francisco, on a worldwide network.« Und weiter: »If your requirement is that no American company is involved at any layer, Pando does not meet it«. Was dieselbe Seite dagegen stellt: »the company is German«. Laut Impressum ist das die Pyfio UG (haftungsbeschränkt) in Soltau.

Die Datenschutzerklärung, Stand 18.09.2026, nennt diese Empfänger und Auftragsverarbeiter, wörtlich:

Zwei weitere Sätze aus derselben Erklärung gehören in jeden Vergleich. »Für den Betrieb und die Fehlersuche kann ein Konto mit Betreiberrechten auf Inhalte zugreifen.« Und: »Die Verschlüsselung auf dem Transportweg und im Ruhezustand ist eine Eigenschaft dieser Plattform und nicht unseres eigenen Codes; eine zusätzliche eigene Verschlüsselung setzen wir nicht ein.«

Was ein verbundener Agent erreicht

Kein Modell bei Pando heißt nicht, dass Ihre Notizen nie ein Modell sehen. Wenn Sie Claude oder ChatGPT verbinden, liest dieses Modell, was Sie freigeben. Die Datenschutzerklärung sagt, was daraus folgt: »Was Sie einem Agenten freigeben, verlässt Pando und liegt beim Anbieter dieses Agenten. Dort gelten dessen Bedingungen, auch dazu, ob damit trainiert wird, und darauf haben wir keinen Einfluss.«

Deshalb zählt, wie viel ein Agent erreicht. Ein so verbundener Agent startet mit der ganzen Gliederung. Auf der Einwilligungsseite wählen Sie, ob er nur lesen oder auch schreiben darf und ob er einen eigenen Bullet zum Erinnern bekommt:

Pandos Einwilligungsseite auf dem Telefon, wenn Claude sich verbindet: zur Wahl stehen »Read and write your outline« und »Read your outline only«, darunter das Häkchen »Give it a bullet to remember in«, und unten die Knöpfe Allow und Cancel

Enger geht es mit einem Knopfdruck. Öffnen Sie den Bullet, den der Agent erreichen soll, dann unter »Settings« den Punkt »Agents and API keys«, tippen Sie dort auf die Zeile dieses Agenten und drücken Sie »Let it reach only«. Der Knopf nennt den Bullet, in dem Sie gerade stehen. Die App sagt dazu: »Let it reach only takes away everything else it can see, and lets it read and write in that bullet and what is under it.«

Ein geschützter Bullet verweigert Agenten jede Änderung, auch an allem, was darunter liegt. Und Ihr Konto kann kein Agent löschen: Der Weg dahin nimmt nur eine angemeldete Sitzung an, keinen Schlüssel.

Wie so ein geteilter Zweig im Alltag aussieht, zeigt The branch you share with your agent. Wie sich die Agenten-Zugänge von Notion und Pando im Einzelnen unterscheiden, steht in Pando vs Notion. Beide Beiträge sind auf Englisch.

Export und Löschen

Notion exportiert einzelne Seiten, Datenbanken oder den ganzen Workspace. Für den Workspace schreibt die Hilfe: »Du kannst alle Seiten im HTML-, Markdown- oder (im Falle von Datenbanken) im CSV-Format sowie sämtliche hochgeladenen Dateien exportieren.« Einzelne Seiten gehen auch als PDF. Zum Löschen eines Workspace schreibt Notion: »Wenn du einen Workspace löschst, werden sofort sämtliche Inhalte gesperrt. Nach 30 Tagen werden diese dann unwiderruflich von unseren Servern entfernt.«

In Pando exportieren Sie jeden Zweig selbst, ohne jemanden zu fragen: als Markdown, als OPML, als »Formatted text« in HTML oder als »Spreadsheet« in TSV mit zwei Ebenen. Der Knopf »Download everything« legt jeden Bullet Ihres Kontos in eine einzige Datei. Wenn Sie es einrichten, geht jede Nacht eine Sicherungskopie als JSON, Markdown oder OPML in Ihre eigene Dropbox oder Ihr Google Drive.

»Delete my account« fragt, bevor es etwas tut: Sie tippen DELETE. Danach sind jeder Bullet, jede Freigabe, jeder Agent und jede Kopie, die Pando davon hält, sofort gelöscht. Aus Caches und dem Wiederherstellungsverlauf der Datenbank verschwinden sie laut dem Dialog binnen 30 Tagen. Sicherungskopien in Ihrer eigenen Dropbox oder Ihrem Google Drive bleiben dort, denn die gehören Ihnen.

Wer mit einem Notion-Export umzieht, findet den Weg in Moving in, ebenfalls auf Englisch.

Was ein genannter Preis enthält

Notions deutsche Preisseite nennt 9,50 € für Plus und 19,50 € für Business, jeweils pro Mitglied und Monat bei jährlicher Abrechnung. Enterprise hat »Individuelle Tarife«. Ob die Umsatzsteuer in diesen Beträgen enthalten ist, fand ich auf der Preisseite nicht. Notions Hilfeseite zur Steuer sagt: »Notion ist verpflichtet, die EU-Mehrwertsteuer (VAT) auf Dienstleistungen für Verbraucher in der EU zu erheben.«

Bei Pando steht der Satz vom Anfang in § 3 der AGB, Version 1.3. Direkt danach steht auch der Fall, dass sich das ändert: »Entfällt diese Regelung künftig, gilt sie erst für Bezahlzeiträume, die nach der Ankündigung nach Absatz 1 beginnen.«

Wo Notion das bessere Werkzeug ist

Das ist keine kurze Liste.

Wohin die Rechtsfrage gehört

Ob Pando für Ihre Verarbeitung rechtlich passt, beurteile ich hier nicht, denn das wäre eine Rechtsbewertung. Was Pando verarbeitet, wofür und auf welcher Grundlage, steht in der Datenschutzerklärung. Die Vertrauensseite sagt das Wichtigste kürzer, auf Englisch, und die AGB regeln den Vertrag.

Wenn Sie danach ausprobieren wollen, wie sich eine Gliederung ohne eingebautes Modell anfühlt, öffnen Sie Pando. Soll ein Agent dazukommen, verbinden Sie ihn auf der Verbindungsseite und beschränken ihn danach auf einen Bullet.

Quellen

Alle gelesen am 23.09.2026.


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